"un-gerecht - Was soziale Ungleichheit mit unserer Gesellschaft macht?!"
Diskurstag am 28. März 2020, 09:30 - 17:00 Uhr

Der Verein Miteinander leben e.V. setzt in seiner politischen Bildungsarbeit in diesem Jahr einen inhaltlichen Schwerpunkt auf das Thema "Soziale Ungleichheit". Mit einem Diskurstag unter dem Titel "un-gerecht - Was soziale Ungleichheit mit unserer Gesellschaft macht?!" am 28. März 2020, 09:30 - 17:00 Uhr in der Internationalen Begegnungsstätte "Lohgeberei" Mölln soll dazu gestartet werden.


© Horst Grünwald

Der soziale Frieden in einer Gesellschaft baut auf verschiedene Versprechen. Etwa dass alle Menschen am gesamtgesellschaftlichen Wohlstand teilhaben sollen und der Staat dieses befördern muss. Dass die "sozial Stärkeren" den "sozial Schwächeren" solidarisch zur Seite stehen. Dass Bildungschancen nicht von der sozialen Herkunft abhängig sein sollen. Dass Leistung sich lohnen wird. Dass Gesundheitsversorgung nicht unterscheiden darf. Dass gesunde Umweltbedingungen heute und auch für zukünftige Generationen zu sichern sind. Dass Leben in der Stadt und auf dem Land gleichermaßen lebenswert und möglich sein sollen. Und dass doch eigentlich der Mensch im Zentrum des staatlichen und auch des wirtschaftlichen Handeln stehen muss.

Es sind weitreichende und auch große Versprechungen, die sich im Grundgesetz, in vielen Gesetzen und auch in Parteiprogrammen wiederfinden. Doch ... werden sie erfüllt? Für alle, für viele oder gar nur für einige Wenige? Und werden diese Gerechtigkeitspostulate noch geglaubt von der Mehrheit des Bevölkerung? Oder wachsen die Zweifel ... dass Reichtum wie Armut steigen, Stadt und Land sich entfremden, Egoismus über Solidarität geht, Teilhabe am Wohlstand eine Illusion ist und die Gesellschaft zunehmend als ungleich und auch ungerecht wahrgenommen wird? Gerade in einer Zeit, in der diese unterschiedliche Transformationsprozesse durchläuft, die vieles neu ausrichten werden.

Wie steht es um den sozialen Frieden in unserer Gesellschaft? Dieser ganz grundsätzlichen Frage möchte der Verein Miteinander leben e.V. zusammen mit anderen Institutionen in diesem Jahr vertiefend nachgehen, als Schwerpunkt seiner politischen Bildungsarbeit. Begonnen werden soll dieses Themenjahr mit einem Diskurstag in der Internationalen Begegnungsstätte "Lohgerberei" unter dem Titel "un-gerecht - Was soziale Ungleichheit mit unserer Gesellschaft macht?!". Zwei Perspektiven werden hier leitend sein. Zum einen die soziale Fragestellungen im Sinne einer Antwortsuche, inwieweit unserer Gesellschaft schon von Ungleichheit durchzogen ist. Zu diesem Diskurs wird Inga Julia Reichelt von der University of Leeds referieren mit Blick auf Bildungswege und Arbeitsmarkt. Zum anderen sollen politische Implikationen behandelt werden. Wer bietet Lösungen, wer einfache Antworten und wer verspielt politischen Vertrauen? Diesen Diskurs wird  Andreas Kemper vom  Institut für Soziologie der Universität Münster anleiten und insbesondere den Zusammenhang von sozialer Ungerechtigkeit und Populismus in den Blick nehmen.

Den Einführungsdiskurs wird Dr. Ralf Stegner (MdL) halten, mit dem Ziel, viele Fragestellungen für die anschließenden Diskursrunden aufzuwerfen und mitzugeben. Der Diskurstag wird dabei in zwei Durchläufen strukturiert, so dass alle Teilnehmer*innen in beiden Perspektiven aktiv sein können. Dazu wird als Diskussionsraum ein gemeinsames Mittagessen sowie ein abschließendes Forum vorbereitet, aus dem Impulse für weitere Vorträge, Seminare oder Aktionen im Themenjahr "un-gerecht " gesammelt werden soll.

Die Teilnahme am Diskurstag ist dank einer Förderung durch die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) kostenfrei. Eine Anmeldung ist aber obligatorisch unter miteinander.leben@t-online.de oder 04541-206726. Die Teilnehmerzahl ist mit Blick auf die räumliche Ausstattung begrenzt.

Jahresausblick 2020

“Ein ereignisreiches Jahr strebt ins nächste”,  so lassen sich am ehesten die Planungen für das Vereinsjahr 2020 beschreiben, wie sie sich zu Jahresbeginn bereits abzeichnen. Es verspricht in vieler Hinsicht ein spannendes Jahr zu werden, politisch informativ, denmokratiestärkend und weltmusikalisch. So kündigt sich im Sommer das 16. Möllner Folksfest an. Vom 2. - 7. Juni 2020 werden Musiker aus Europa und aus aller Welt wieder in Mölln gastieren, dieses Mal mit einem besonderen Fokus auf unsere Schulen. Das begleitende Schulmusikprogramm “SHARE MY MUSIC” wird einen deutlich größeren Stellenwert erhalten und einen musikalischen Schwerpunkt auf Schleswig-Holsteins Partnerregionen legen. Auch das Festivalprogramm wird neu ausgerichtet in einer Neugestaltung des OPEN-AIR-Samstag. Eines bleibt es jedoch, ein ehrenamtlich organisiertes Festival, das nur durch die Mithilfe vieler seine ganz besonders familiäre Atmosphäre erhält, die es in der Musikerszene so beliebt macht. Bereits im März wird dazu das erste Helfertreffen organisiert mit hoffentlich wieder starken Resonanz.

Informativ und aktuell wird die politische Bildungsarbeit des Vereins fortgesetzt, mit zahlreichen Vorträgen und Seminaren im Jahresverlauf, zu innen- wie außenpoltischen Themen. Unter www.demokratie-leben.eu kann das sich stetig wachsende Programm eingesehen werden. Als Schwerpunkt der Bildungsarbeit wird ein Themenjahr ausgericht unter dem Titel “un-gerecht - Jahr zu sozialen Ungleichheit”, an dem unterschiedliche Akteure mitwirken können und sollen. Es wird im Frühjahr seinen Auftakt nehmen mit einer regionalen Vortrags- und Seminarreihe, einer Konferenz sowie einem Jugendprojekt.

Demokratiestärkend wird die Vereinsarbeit vor allem in den Schulen der Region und darüber hinaus wirken, mit den Angeboten des “mobilen demokratietheaters”, dem “Toleranz- und Zuvilcouragtraining” oder dem neuesten Unterrichsformat “CyberRight” zu Themen wie “Fake News”, “Cybermobbing” und “Hate Speech”. Eine Neuausrichtung erfährt unser Antisemitismprojekt “ZUGÄNGE SCHAFFEN”. Nach dem Auslaufen der Bundesförderung müssen wir hier eine neue Struktur finden, um dieses wichtige Unterrichtsangebot nachhaltig sichern zu können.

“Unsere Vereinsarbeit bleibt mithin vielfältig und anspruchsvoll, jedoch nur leistbar, wenn sich möglichst viele Mitglieder motiviert zeigen, mitzumachen und mitzugestalten. Wir können immer aktive Unterstützung gebrauchen”, sagt Vereinsvorsitzender Mark Sauer mit Blick auf die vielen Arbeitsfelder im Verein., zu denen auch die Organisation und Sanierung der Internationalen Begegnungsstätte “Lohgerberei” gehört.