"Wir sind nicht still"
Demonstration und Kundgebung am Reformationstag in Ratzeburg

Am Reformationstag 2018 versammelten sich in Berkenthin rund 1.000 Menschen, um unter dem Titel „Wir sind nicht still!“ gegen die zunehmend ausgrenzende bis offen rassistische Art und Weise zu demonstrieren, mit der über Migrant*innen in der Öffentlichkeit gesprochen und mit der auch die Vielfalt unserer Gesellschaft in Frage gestellt wird. Der Runde Tisch für Willkommenskultur in Berkenthin und Umgebung setzte zusammen mit der Berkenthiner Kirchengemeinde hier ein eindrucksvolles Zeichen für ein tolerantes Miteinander. Schon während der Veranstaltung entwickelte sich die Idee, solch eine Kundgebung zu diesen Themen, die ganz viel Bezüge auch im Reformationstag finden, fortzuführen, jährlich und vielleicht an jeweils wechselnden Orten im Kreis.

Im Frühjahr griff das Ratzeburger Bündnis diese Anregung auf und erörterte mit den Ideengebern aus Berkenthin die Möglichkeit einer gemeinsamen Fortsetzung am diesjährigen Reformationstag in Ratzeburg, unter Beibehaltung des Titels und der Botschaften für Mitmenschlichkeit, Toleranz, Vielfalt und Integration und gegen Rassismus und Populismus. Dieses kooperative Ansinnen, dem sich auch der Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg, die Partnerschaft für Demokratie der Stadt Ratzeburg und des Amtes Lauenburgische Seen, der Verein Miteinander leben e.V. sowie weitere Willkommenskulturen der Region anschlossen, trug schnell Früchte und ein Programm für eine Demonstration mit anschließender Kundgebung in Ratzeburg wurde konkret, ebenso wie das Motto "Mut verbindet - Menschenwürde achten". 70 Jahre Grundgesetz und 30 Jahre "Friedliche Revolution" standen hierbei Paten.

So soll es am 31.10.2019 um 11:30 Uhr einen weiteren Demonstrationszug geben, beginnend am Rathaus, über die Südliche Sammelstraße und die Langenbrücker Straße bis zum Ratzeburger Marktplatz. Dort wird zu einer gemeinsamen Kundgebung geladen, die mit Unterstützung von Fazilitatorin  Helga Reihl aus Lübeck sehr vernehmbar und durchaus laut in Form eines "Drum Circle" ausgestaltet wird. Ein „Drum Circle“ ist ein großes Trommelevent zum Mitmachen, das Menschen rhythmisch wie kommunikativ verbindet und auf der Kundgebung die Wortbeiträge umrahmen soll. Bürgermeister Gunnar Koech, Pröpstin Frauke Eiben, Konstantin von Notz (MdB) und Gesine Biller von der "Partnerschaft für Demokratie" haben bereits Ansprachen zugesagt. Musikalisch wird die Kundgebung ihren Ausklang finden mit Musik von Lukas Kowalski, bevor die Teilnehmer eingeladen sind zu einem Catering der Willkommenskultur Ratzeburg sowie zur Präsentation einer neugestarteten Plakataktion unter den gleichlauteten Veranstaltungsmotto „Mut verbindet – Menschenwürde achten“.

Demonstration und Kundgebung werden getragen von der Stadt Ratzeburg, die seit vielen Jahren das Netzwerk des Ratzeburger Bündnisses begleitet: "Ich würde mich freuen, viele Bürgerinnen und Bürger aus Ratzeburg und Umland am Reformationstag in unserem Zug begrüßen zu können, um abermals ein deutliches Zeichen für Respekt und gegen Rassismus aus Ratzeburg auszusenden. Eine Tradition, die wir schon seit vielen Jahren nicht nur in Wort, sondern vor allem in konkreten Taten und Aktionen sehr pflegen", sagte Bürgermeister Gunnar Koech als Schirmherr der Veranstaltung. "Dabei unterstützt uns einmal mehr das Bundesprogramm "Demokratie leben!" des Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend  im Rahmen unserer "Partnerschaft für Demokratie der Stadt Ratzeburg und des Amtes Lauenburgische Seen".


Chorprojekt "POLITICALied" übertrifft
alle Erwartungen

"Es wurden alle Erwartungen übertroffen!" So bilanzierte Mark Sauer vom Verein Miteinander leben e.V. den Verlauf des Chorprojektes "POLITICALied", zu dem am Wochenende vor rund 14 Tagen über 50 Sängerinnen und Sänger in der Aula der Ernst-Barlach-Schule zusammen kamen, um gemeinsam mit Chorleiter des Hamburger Weltmusik-Chores, Nathaniel Damon, Lieder mit politischer Aussagekraft einzustudieren. "Wir hatten bei der Projektplanung mit einem Zuspruch von vielleicht 10 bis 15 Teilnehmern gerechnet", ergänzte Silvia Tessmer von der Volkshochschule Ratzeburg, die als Kooperationspartner für den organisatorischen Rahmen des politischen Chorprojektes sorgte. Übertroffen wurde allerdings nicht nur die Teilnehmerzahlen, sondern vor allem auch die Erwartungen an das gesangliche Ergebnis.


Chorleiter Nathaniel Damon formt mit viel Erfahrung und Einfühlungsvermögen einen Chor mit politischen Liedrepertoire in der Aula der Ernst-Barlach-Schule © Jens Butz

Nathaniel Damon schaffte es mit einer beeindruckenden Liedauswahl und einer hochkonzentrierten, wie hochsensiblen Anleitung, die heterogene Gruppe aus erfahrenen Sänger*innen und notenunkundigen Anfänger*innen in kurzer Zeit zu einem wirklichen Chor zusammenzuführen und selbst anspruchsvolle, mehrstimmige Lieder mit ihnen nach Übungen und eingängigen Demonstrationen sicher zu intonieren. Vor allem vermittelte Damon in jedem Moment des Workshops die gemeinsame Freude am Singen und schaffte so eine Arbeitsatmosphäre, die von Motivation, Achtsamkeit und Spaß geprägt war. Welche Kraft in der eigenen Stimme verborgen ist, gerade auch um politische Botschaften gesanglich auszudrücken, überraschte vor allem jene Teilnehmer*innen, die sich erstmalig in solch einen Chorworkshop gewagt hatten. Schon Aufwärmübungen, in denen die Stimmen nahezu das gesamte Schulgebäude ausfüllten und in einem Klangkörper verwandelten, ließen diese Kraft erahnen und schließlich auch nahtlos in die einstudierten Lieder übertragen. Diese handelten von Freiheit, von Mitmenschlichkeit und dem Protest gegen Ungerechtigkeiten und überspannten in ihren immer aktuellen Botschaften mehrere Jahrhunderte.


Eine erste öffentliche Probe im Chorprojekt "POLITICALied" vor dem Ratzeburger Dom © Jens Butz

Die Spannung des Chorworkshops wuchs im Verlauf des Wochenendes, als das selbstgesteckte Ziel eines ersten Konzertes mit Unterstützung des Hamburger Weltmusik-Chores näher rückte. Vor, hinter und im Ratzeburger Rathaus wurden schließlich die einstudierten Lieder im Rahmen eines "Fensterkonzertes" dargeboten und beeindruckten die rund 70 Zuschauer*innen, aber mehr noch die Chormitglieder selbst, die text- wie stimmsicher das Repertoire mit Kraft und Überzeugung erklingen ließen und sich dabei ganz neu wahrnahmen.


Das Chorprojekt "POLITICALied" begeisterte bei seinem "Fensterkonzert" im Ratsssaal des Ratzeburger Rathauses unter der Leitung von Nathaniel Damon (Blidmitte) © Jens Butz


Afrika - Ein Kontinent in Bewegung Kostenfreies Bildungsseminar mit Dr. Günter Rusch

Dr. Günther RuschDer Verein Miteinander leben e.V. setzt seine politische Bildungsreihe „Demokratie leben“ nach der Sommerpause mit einem Tagesseminar zum Thema „Afrika - Ein Kontinent in Bewegung“ am 28.09.2019 von 09:30 – 16:30 Uhr in der Internationale Begegnungsstätte „Lohgerberei“ in Mölln fort. Als Dozent konnte Dr. Günter Rusch gewonnen werden, der seit den 1960er Jahren in vielfältiger Weise mit nahezu allen Regionen Afrikas verbunden ist,  wissenschaftlich, als Berater, Referent und Delegierter von Hilfsorganisationen oder als Dozent an der Brandenburgisch-Technischen Universität Cottbus und an zwei afrikanischen Hochschulen sowie in der entwicklungspolitischen Bildungsarbeit. 

In seinem Seminar möchte Dr. Rusch jahrhundertealte Wanderbewegungen in Afrika skizzieren, die sich heute vor allem in der  Migration nach Europa fortsetzen. Klimawandel, Konflikte, Kolonialisierung, Bevölkerungsdruck, Sehnsucht nach besseren Welten waren dabei von jeher wirksame Faktoren, die Menschen in Afrika ständig in Bewegung brachten, mit all dem Hoffnungen, Erwartungen, Konflikten, Ausbeutungen  und Enttäuschungen, die sich bis heute damit verbinden. Das Seminar wirft ein Blick in Afrikas Vergangenheit, mit dem Ziel diesen Kontinent und seine Migrationsprozesse besser verstehen zu können.Es zielt dabei bewusst auf Gegenwartsdiskussionen, die den Versuch von Hunderttausenden Afrikanern, auch diesseits des Mittelmeers eine neue Heimat oder zumindest Zuflucht zu finden, als Herausforderung oder oftmals gar als Bedrohung beschreiben. Die Teilnahme am Seminar ist kostenfrei.Eine Anmeldung wird erbeten unter 04541-206726 oder miteinander.leben@t-online.de. 


Offenes Chorprojekt für Mitmenschlichkeit und Respekt
lädt zum Mitsingen ein

Im Rahmen der politischen Musikkampagne ”POLITICALied” möchte der Verein Miteinander leben e.V. zusammen mit der Volkshochschule Ratzeburg im September ein Chorprojekt für Mitmenschlichkeit und Respekt starten. Gesucht werden dafür alle Menschen mit Freude am Singen, die bereit sind, auch einmal politische Lieder gegen Rassismus und Menschenfeindlichkeit einzustudieren und diese situationsbezogen oder wenn notwendig in Kleinkonzerten, Platzkonzerten oder einfach auch ohne Anlass an öffentlichen Orten darzubieten. Das können bekannte politische Lieder sein, aber auch moderne Lieder des Mainstreams mit politischer und/oder menschenfreundlicher Aussage. Es sollen vor allem aber Lieder sein, die Spaß machen, gesungen zu werden und die Zuhörerschaft zu begeistern vermögen. Als Initialzündung für dieses Chorprojekt, aus dem sich nach Möglichkeit ein stetiger Chor mit fester Chorleitung entwicklen soll, ist vom 13. - 15.09.2019 ein kostenfreier Wochenend-Chorworkshop mit dem Leiter des Hamburger Weltmusikchors Nathaniel Damon geplant.


Nathaniel Damon stammt aus dem US-Bundesstaat Vermont und gründete 2004 den Hamburger Weltmusik-Chor. Er liebt es, die besondere Klänge der unterschiedlichen Gesangskulturen zu erforschen und leitet seit vielen Jahren Workshops, in denen auch ohne Notenkenntnisse durch Vor- und Nachsingen in das mehrstimmige Singen eingetaucht wird. Die Idee, einmal aktuelle Lieder mit politischer Aussagekraft in den Fokus solch eines Workshops zu stellen, reizt ihn dabei nach eigenen Angaben sehr und er freut sich, dieses in Ratzeburg einmal ausporbieren zu können. Nathaniel Damon wird Mitglieder seines Weltmusik-Chors motivieren, den Workshop zu unterstützen, so dass von Beginn an effektives und „stressfreies“ mehrstimmiges Singen möglich ist.

Partnerschaft für Demokratie der Stadt Ratzeburg und des Amtes Lauenburgische Seen

„Wir weigern uns, Feinde zu sein!“
Ein Bericht von Daoud Nassar aus Bethlehem

Dienstag, den 18.06.2019 um 19.30 Uhr
Polleyn-Zentrum Mölln,  Jochim-Polleyn-Platz 9
Eintritt frei!

Daoud Nassar in BethlehemUnter schwierigsten Bedingungen lebt die Familie Nassar auf dem seit mehreren Generationen im Familienbesitz befindlichen Weinberg im besetzten Westjordanland in der Nähe von Bethlehem. Der Weinberg ist umgeben von israelischen Siedlungen – d.h. von Trabantenstädten mit mehreren Zehntausend Einwohnern. Seit 1991 versucht der Staat Israel das Land der Familie Nassar zu enteignen, um dort eine neue Siedlung zu gründen. Die Familie Nassar leistet gewaltfreien Widerstand gegen die drohende Enteignung. Sie bewirtschaftet das Land trotz der Unannehmlichkeiten und Behinderungen, die durch Repressalien der israelischen Regierung oder Angriffe israelischer Siedler entstehen. Seit über 25 Jahren kämpft sie vor Gericht um ihr Recht. Zudem gründete sie auf dem Gelände das interkulturelle Friedensprojekt „Tent of Nations“, eine Begegnungsstätte, die sich als Ort des kulturellen Dialogs versteht und zu einem Treffpunkt für Menschen vieler Nationen geworden ist. Daoud Nassar wurde für sein beispielhaftes gewaltfreies Engagement - neben 14 anderen herausragenden Persönlichkeiten weltweit – im Herbst 2018 der vom deutschen und französischen Staat gestiftete Menschenrechtspreis 2018 verliehen. Aus der Broschüre des Auswärtigen Amtes der Bundesrepublik Deutschland zur Verleihung des Menschenrechtspreises 2018:

„Der 1970 geborene Aktivist Daoud Nassar setzt sich seit fast 20 Jahren mit seiner Nichtregierungsorganisation „Tent of Nations“ für die Verständigung zwischen Israelis und Palästinensern ein. Auf dem Weinberg seiner Familie nahe Bethlehem betreibt er eine Fort- und Weiterbildungsstätte. Dort sensibilisiert er Besucher und Gäste für Fragen der Landenteignung und für die Auswirkungen des israelischen Siedlungsbaus auf Palästinenser, die im sogenannten „C-Gebiet“ des Westjordanlandes leben. Der Dialog mit Israelis und Palästinensern hilft dabei, mehr über die Situation der„anderen Seite“ zu erfahren. Das Leitmotiv seines Projektes mit dem Namen „Wir weigern uns Feinde zu sein“ hat dabei eine wichtige Signalwirkung. Viele israelische und internationale Freiwillige arbeiten in den Erntemonaten auf dem Weinberg seiner Familie. Durch seinen jahrzehntelangen Einsatz lebt Daoud Nassar vor, wie selbst unter widrigen Bedingungen eine Bleibeperspektive in diesen Gebieten erhalten werden kann.“

Das Lebensmotto der Familie Nassar steht in Stein gemeißelt auf deren Land. Die religiöse, evangelische Familie lebt konsequent nach diesem Motto. Ihr Friedens- und Bildungsprojekt „Tent of Nations“ wird getragen von der Hoffnung auf ein friedliches Zusammenleben zwischen Palästinensern und Israelis.


"Tag des Grundgesetzes"

Das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland wurde am 23. Mai 1949 und hat sich bis heute als Fundament der deutschen Demokratie bewährt. Die Artikel des Grundgesetzes stehen über allen anderen deutschen Rechtsnormen. In ihnen sind die grundlegenden staatlichen System- und Wertentscheidungen festgelegt. Daran erinnern soll am 23.05.2019 der "Tag des Grundgesetzes", 2019 sogar zu einem runden 70jährigen Jubiläum.

Die "Partnerschaft für Demokratie" der Stadt Ratzeburg und des Amtes Lauenburgische Seen greift diese Erinnerung gerne auf und plant zusammen mit dem Verein Miteinander leben e.V.  einen gemeinsamen Aktionstag in Ratzeburg.  Dafür haben sie, wie schon im Vorjahr, das junge Team des Vereins "Politik zum Anfassen e.V." aus Niedersachsen um Unterstützung gebeten. Sie werden am Vormittag des Jubiläumtages zunächst eine Mitmachaktion in Form von kleinen Info- und Wissensspielen in der Lauenburgischen Gelehrtenschule organisieren. Schülerinnen und Schüler sollen dabei angesprochen werden, ihr Wissen rund um das Grundgesetz zu testen. Am Nachmittag wird das Team von "Politik zum Anfassen e.V." mit ihren Angeboten vor EDEKA Süllau am Viehmarkt in der Ratzeburger Vorstadt Station machen und dort auch die Bürgerinnen und Bürger an Quizstationen zum kleinen Büchlein befragen, das seit 70 Jahren unser Leben in Freiheit, Vielfalt, Sicherheit und Rechtsstaatlichkeit gestalten hilft.


»Unermüdlich in Sachen Demokatie, Toleranz und Zivilcourage«

Jugendbildungsangebote des Vereins Miteinander leben e.V. landdesweit gefragt

Die demokratiestärkenden Jugendbildungsangebote des Vereins Miteinander leben e.V., die seit 2002 im Rahmen der Bildungsinitiative OPEN MIND entwickelt wurden und seit dem stetig gewachsen sind, haben im vergangenen Jahr eine Rekordbeteiligung erfahren. Landesweit wurden die Angebote des „mobilen demokratietheaters“, des „TOLERANZTRAININGS“ oder des Zivilcouragetraining „STOP IT“ an neun weiterführenden Schulen, einem Berufsbildungszentrum sowie zwei Jugendeinrichtungen durchgeführt und erreichten in der Summe rund 900 Teilnehmer*innen.

Ercan Kök und Nadeshda Gerdt leiten die Jugendbildungsangebote zu Demokratie, Toleranz und Zivilcourage

„Unser Einzugsbereich ist schon seit vielen Jahren deutlich über Mölln hinausgewachsen und reicht aktuell von Lauenburg bis Flensburg“, so Mark Sauer, Vorsitzender des Vereins Miteinander leben e.V.. Die jeweils zweitägigen Workshops, durchgeführt von Theaterpädagogin Nadeshda Gerdt und Sozialpädagoge Ercan Kök, sind stark nachgefragt, mit steigender Tendenz. „Wir vermitteln unsere Inhalte zu Demokratie, Toleranz und Zivilcourage immer ganz nah am jeweiligen Alltagserleben der Schüler*innen in Formaten, die in hohem Maße eigene Erfahrungen einbinden wie auch zum Mitmachen und Sich-Ausprobieren einladen. Kein Workshop ist daher gleich.“, beschreibt Nadeshda Gerdt die Workshopphilosophie. „Dabei nehmen wir auch immer wieder bestehende Konfliktlagen auf, die oft unausgesprochen im Klassenverband liegen und geben Raum, diese gemeinschaftlich in Richtung einer Lösung zu diskutieren“, ergänzt Ercan Kök ganz im Sinne der Workshopprämissen, eigenes Handeln und Engagement zu aktivieren.

Grundlage aller Workshopangebote sind die Menschrechte. Sie dienen in Inhalten wie auch in Konfliktlösungsstrategien als Leitbild. Dazu kommt dem Grundgesetz eine richtungsweisende Rolle im Rahmen des „mobilen demokratietheaters“ zu.

„Ein solch breit gewachsenes, demokratieförderndes Jugendbildungs- angebot ehrenamtlich zu entwickeln und vorzuhalten, ist nur möglich mit verlässlicher Unterstützung, wie wir sie seit vielen Jahren durch Land, Kreis und kommunale „Partnerschaften für Demokratie erfahren“, sagt Mark Sauer mit Blick auf weiter steigende Anfragen aus dem gesamten Bundesland im neuen Projektjahr 2019, aber auch in Hinsicht auf neu geplante Projektangebote, beispielsweise in der politischen Jugendmedienbildung, um mit aktuellen Entwicklungen Schritt zu halten.

»Wir sind die Juden aus Breslau«
Prämierter Dokumentarfilm zeigt überlebende Jugendliche und ihre Schicksale nach 1933 im Burgtheater Ratzeburg

Im Rahmen des Antisemitismusprojektes „ZUGÄNGE SCHAFFEN“ zeigt der Verein Miteinander leben e.V. am 26.03.2019 um 18:30 Uhr in einer Sonderverführung den prämierten Dokumentarfilm von Karin Kaper und Dirk Szuszies „Wir sind die Juden aus Breslau“ im Kino Burgtheater Ratzeburg. Es ist ein Film von aktueller Brisanz, der ein eindringliches Zeichen setzt gegen stärker werdende nationalistische und antisemitische Strömungen in Europa. Ein Film, der aufzeigt, wohin eine katastrophale Abschottungspolitik gegenüber Flüchtlingen führt. Ein Film, der anhand der Lebensschicksale der Protagonisten auch die Gründung des Staates Israel mit den Erfahrungen des Holocaust in Verbindung setzt.

Sie waren jung, blickten erwartungsfroh in die Zukunft, fühlten sich in Breslau, der Stadt mit der damals in Deutschland drittgrößten jüdischen Gemeinde, beheimatet. Dann kam Hitler an die Macht. Ab diesem Zeitpunkt verbindet diese Heranwachsenden das gemeinsame Schicksal der Verfolgung durch Nazi-Deutschland als Juden: Manche mussten fliehen oder ins Exil gehen, einige überlebten das Konzentrationslager Auschwitz. Der Heimat endgültig beraubt, entkamen sie in alle rettenden Himmelsrichtungen und bauten sich in den USA, England, Frankreich, und auch in Deutschland ein neues Leben auf. Nicht wenige haben bei der Gründung und dem Aufbau Israels wesentlich mitgewirkt.


Jüdische Schulklasse in Breslau (1938)

14 Zeitzeugen stehen im Mittelpunkt des Films. Sie erinnern nicht nur an vergangene jüdische Lebenswelten in Breslau. Ihre späteren Erfahrungen veranschaulichen eindrücklich ein facettenreiches Generationenporträt. Einige von ihnen nehmen sogar den Weg in die frühere Heimat auf sich, reisen ins heutige Wrocław, wo sie einer deutsch-polnischen Jugendgruppe begegnen. Gerade in Zeiten des zunehmenden Antisemitismus schlägt der Film eine emotionale Brücke von der Vergangenheit in eine von uns allen verantwortlich zu gestaltende Zukunft.

Der Film mit dem Prädikat „wertvoll“ ist mit dem Deutsch-Polnischen Kulturpreis Schlesien 2017 sowie der Ehrenmedaille der Europäischen Kulturhauptstadt Wroclaw ausgezeichnet worden. Zur Vorführung in Ratzeburg wird Regisseurs Dirk Szuszies anwesend sein und anschließend dem Publikum für Fragen zur Verfügung stehen. Der Eintrittspreis beträgt 8,00 €, 6,00 € ermäßigt für Mitglieder des Ratzeburger Filmclubs.
Mit Unterstützung einer Förderung durch das Bundesprogramm „Demokratie leben!“ des Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend besteht am 27.03.2019 zudem die Möglichkeit, für Schulen der Region eine kostenlose, vormittägliche Schulvorführung zu organisieren. Interessierte Klassen können sich unter miteinander.leben@t-online.de anmelden.

"Was bewegt Israel?"
Einblicke in ein (un-)bekanntes Land


Vortrag mit Nahost-Korrespondent Ulrich Sahm

12. März 2019 um 19:00 Uhr, Stadthauptmannshof Mölln

Zu Israel existieren wohl mehr Meinungen, Erzählungen, aber auch Vorurteile als zu jedem anderen Land auf der Erde. Sie übersteigen wohl bei weitem das fundierte Wissen zu diesem Land, seiner Politik, seiner Gesellschaft und seinem geographischen Kontext. Das ist an sich auch schwierig in Anbetracht der dynamischen und unüberschaubaren Gemengelage, in dem sich dieser Staat innen- und außenpolitischen bewegt, ganz zu schweigen von den vielfältigen historischen und religiösen Bezügen die sich dort in einem Raum ballen, der kleiner ist als Mecklenburg-Vorpommern.

Einblicke zu Israel lassen sich eigentlich nur vor Ort gewinnen, mit viel Zeit, um in all seine Facetten und auch Widersprüche eintauchen zu können. Diese Möglichkeiten sind oft nicht gegeben und so bleibt das eigene Wissen zu Israel ganz häufig fragmentarisch, einseitig und damit immer wieder auch anfällig für antisemitische Interpretationen.

So bietet sich eine echte Chance, solche Wissenslücken in Vortrag und Diskussion mit Journalist Ulrich Sahm zu schließen, der am 12. März 2019 um 19:00 Uhr im Rahmen einer Deutschlandrundreise Station im Möllner Stadthauptmannshof macht. Ulrich Sahm ist seit vielen Jahren Korrespondent in Israel und berichtet für Tageszeitungen und Nachrichtensender gleichermaßen. Er wird einen aktuellen Überblick geben, zu politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen in Israel, wie die anstehenden Neuwahlen der Knesset im April oder die Migrationsdiskussion, aber auch über Entwicklungen in der Folge des Nahostkonfliktes, die Israels Außen- und Sicherheitspolitik betreffen.

Ulrich Sahm ist auf Einladung des Vereins Miteinander leben e.V. im Rahmen des Antisemitismusprojektes „ZUGÄNGE SCHAFFEN“ in Mölln. Der Eintritt ist dank einer Förderung durch das Bundesprogramm „Demokratie leben!“ und der Kooperation der Stiftung Herzogtum Lauenburg kostenlos.



In postfaktischen Zeiten - Demokratie in Zeiten „alternativer Fakten“

Seminar mit Dr. Udo Metzinger
Freitag, 01.03.2019, 09:30 – 16:30 Uhr
Internationale Begegnungsstätte „Lohgerberei“

Eine faktenbasierte politische Bildung ist nach Überzeugung des Vereins Miteinander leben e.V. unerlässlich in „postfaktischen Zeiten“, um die Dialogfähigkeit in unserer Gesellschaft zu erhalten. Folgerichtig befasst sich das erste politische Bildungsseminar der Reihe „Demokratie leben“ in 2019 mit der Demokratie in Zeiten „alternativer Fakten“. Politikwissenschaftler Dr. Udo Metzinger wird am 01.03.2019, 9:30 – 16:30 Uhr in der Internationale Begegnungsstätte „Lohgerberei“ den Blick legen auf Filterblasen, Echokammern und Hass im Netz, auf Fake News und "hybride Kriegsführung und auf unser aller Medien(in)kompetenz, um in dieser Gemengelage die Verwundbarkeit der Demokratie zu skizzieren.

„Wir leben zunehmend in einem „postfaktisches Zeitalter“. Fakten zählen wenig, Gefühle sind alles. Wissenschaft und Vernunft werden durch Meinung und Vorurteil ersetzt. Eine Informationsflut brandet auf uns ein, über soziale Medien und neue Kommunikationskanäle, die uns überfordert. Die Debattenkultur verroht virtuell und real, Sachinformationen werden diskreditiert. Das alles unterminiert den gesellschaftlichen Umgang und Konsens und in der Folge auch die Demokratie, wenn wir diese Entwicklungen nicht kritisch beleuchten und zu verstehen beginnen“, so Dr. Metzinger.

Das Seminar ist offen und kostenlos für politisch interessierte Bürger*innen und sehr geeignet für alle jene Berufsgruppen, für die Medienkompetenz oder deren Vermittlung zu täglichen Arbeitsfeld gehören. Anmeldungen können ab sofort unter miteinander.leben@t-online.de oder 04541-206726 erfolgen.

Dr. Udo Metzinger ist seit vielen Jahren in der Politischen Bildungsarbeit tätig, u.a. im Netzwerk Politische Bildung in der Bundeswehr, an verschiedenen Akademien und für viele freie Träger der Politischen Bildung.


Antisemitismus und Verschwörungsideologien

Politischer Bildungsvortrag der Ratzeburger Volkshochschule mit Jan Rathje von der Amadeu Antonio Stiftung

Im ersten politischen Bildungsvortrag 2019, am 06. Februar um 19:00 Uhr im Ratssaal des Ratzeburger Rathauses, schaut der Verein Miteinander leben e.V. auf ein gesellschaftliches Problem, das zunehmend bedrohliche Ausmaße annimmt, ohne von vielen Menschen in der Mitte der Gesellschaft wirklich wahrgenommen zu werden. Antisemitismus, überwiegend mit dem dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte verbunden, zeigt sich wieder ganz aktuell in der deutschen Gegenwart. Jüdinnen und Juden werden angefeindet, bedroht und angegriffen, von radikalen Muslimen, wie auch von Rechtsextremisten und Linksextremisten. Antisemitische Vorurteile finden dabei gerade in den sozialen Netzwerken eine immer größere Verbreitung, oftmals in einem Gewand, die den Antisemitismus schwer erkennen lassen. 

Jan Rathje von der Amadeu Antonio Stiftung

Verschwörungsideologien kommen dabei eine besondere Bedeutung zu, wie Jan Rathje von der Amadeu Antonio Stiftung zu berichten weiß: "Verschwörungserzählungen begleiten auch die aktuellen gesellschaftspolitischen Krisenentwicklungen. Den Begriffen „Lügenpresse“ und „Volksverräter“ begegnet man als Pauschalvorwürfen auf Demonstrationen der aktuellen rechtsextremen Bewegungen, in ihren „alternativen“ Medien und den Sozialen Netzwerken. Die Anhänger*innen von Verschwörungsideologien und –mythen machen auf diese Weise deutlich, dass es sich bei den zugrundeliegenden Erzählungen eben nicht ausschließlich um Unterhaltung handelt, sondern ihnen der Wunsch nach der “Vernichtung von Widersprüchen” innewohnt. Dabei besteht eine enge Wesensverwandtschaft zum Antisemitismus." Jan Rathje möchte anhand von vielfältigen Beispielen zeigen, in welcher Form antisemitische Ressentiments in den neuen Medien geschürt werden und wie sich der antisemitische Gehalt entlarven lässt. 

Der Vortrag wird in Kooperation mit der Ratzeburger Volkshochschule. durchgeführt und gefördert durch das Bundesprogramm „Demokratie leben!“ des Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Projektes „ZUGÄNGE SCHAFFEN“. Der Eintritt ist frei.

Die Veranstaltenden behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen.